Die Kirchenbücher sind im Kirchenbucharchiv, Pfaffenstieg 2
D-31 134 Hildesheim
(Tel.: (+49) 5121 / )
einzusehen.

Die Marktmeisterregister befinden sich im Stadtarchiv Stadt Duderstadt,
Christian Blank Straße
D-37115 Duderstadt
(Tel.: (+49) 5527 / 2144).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Name Gatzenmeyer, Gatzemeyer, Gatzenmeier, Gatzemeier ist ein typischer Name des Eichsfeldes.

Das Eichsfeld liegt östlich von Göttingen/ Kassel. Es ist das nordwestliche Randgebiet des Thüringer Beckens. Die Flüsse Wipper und Leine zerschneiden das Gebiet in zwei ungleiche Teile, das größere Obereichsfeld im Süden und das Untereichsfeld im Norden. Im Obereichsfeld mit der Hauptstadt Heiligenstadt findet man Kalkberge bis 570 m Höhe. Seine Böden sind allerdings karg. Das untere Eichsfeld mit der Hauptstadt Duderstadt ist fruchtbarer. Es erhielt daher auch den Namen Goldene Mark. Das ganze Eichsfeld umfaßt etwa 1100 Quadratkilometer Fläche. Das ist fast so groß, wie das Stadtgebiet von Berlin.

Im 10. Jahrhundert erwarb das Erzbistum Mainz die ersten Ländereien im Eichsfeld. Im 16. Jahrhundert war das ganze Eichfeld durch Schenkung, Tausch und Kauf endgültig zu Mainz gekommen. Durch die Reformation Luthers und die Bauernkriege wandten sich große Teile des Eichsfeldes dem "neuen" Glauben zu. Ab 1574 wurde in einer Gegenreformation das Eichsfeld allmählich wieder zum "alten" Glauben zurückgewonnen.

Nach dem Wiener Kongress 1815 wurde das Eichsfeld zum ersten Mal geteilt. Das obere Eichfeld kam zu Preussen, das Untere Eichsfeld wurde dem Königreich Hannover zugeschlagen. 1865 kam dann auch das Untere Eichsfeld zu Preussen. 1945 wurde das Eichsfeld wiederum geteilt. Die Demarkationslinie, später Zonengrenze (britische-sowjetische Zone), noch später Staatsgrenze (Bundesrepublik-DDR) verlief so, wie 1815 die preussisch-hannoversche Landesgrenze verlaufen war, mitten durch das Eichsfeld. Das hat aber die Bindungen nicht zerstören können. Heute gehört innerhalb Deutschlands das Untereichsfeld zu Niedersachsen und das Obereichsfeld zu Thüringen.

Die Zugehörigkeit zum Erzbistum Mainz hat das Eichsfeld bis heute geprägt. Es hat auch die katholische Struktur trotz religionsfeindlicher Systeme wie Nationalsozialismus und kommunistischer Sozialismus weitestgehend erhalten.

Die Deutung des Namens Gatzemeier ist verhältnismäßig sehr einfach. Er hat sich wahrscheinlich als Weiterentwicklung des Namens Meyer gebildet. Zwar haben sich schon im 12. Jahrhundert die Familiennamen entwickelt. Durch Zusatzbezeichnungen zu einem vorhandenen Namens sind auch später noch neue Namen verändert worden. Auch heute entstehen durch ungenaue Eintragungen in Urkunden und Registern noch Namensveränderungen.

Das Wort "Meyer" stammt von dem lateinischen "major" ab. Anfangs bezeichnete man damit einen vom Grundherren bestellten Beamten, der dessen Güter verwalten mußte. Nach dem Ende der Fronhofverwaltung (Pflichtarbeit im bäuerlichen Bereich) verstand man unter einem "Meyer" den Herrschaftsverwalter eines Gutes und später auch den Pächter.

Eine große Zahl von grossen und kleinen Gütern auf den zu Duderstadt gehörenden Dörfern war Eigentum der Duderstädter Bürger, die diese Güter nicht selbst bewirtschafteten, sondern "vermeyerten". Unter einem "Meyer" verstand man also einen Pächter, der seinen Hof oder sein Gut bzw. Kotgut (s.a. Kotte/ Kate/ kleiner Hof) gepachtet hatte. Wenn man die Bezeichnung "Gatze" im mundartlichen des Eichsfeldes verwendet, so meinte man damit eine "Gasse". Der Name Gatzemeyer bezeichnet also einen "Meyer", der in einer "Gasse" (Gatze) wohnt.

Auch eine andere Entstehung des Namens ist möglich. Es handelt sich nicht um eine Erweiterung eines Namen, sondern es entsteht ein neuer Name durch eine Bezeichnung von Eigenschaften oder Tätigkeiten. So kann der Pächter (Meyer) eines Hofes, der in der Gasse lag Gassenmeyer (mundartlich: Gatzenmeyer) genannt worden sein. Diese Bezeichnung wird in Steuerlisten o.ä. verwendet und wird zu einem Namen.

1567 findet man im Marktmeister-Register (Steuerabgaben) der Stadt Duderstadt als Lieferant von Satzhafer in Nesselröden eine Vith Gatzemann verzeichnet. Dieselbe Person wird 1570-1578 als Gatzenmeyer, 1579 als Gassmeyer und 1580 wieder als Gassmann aufgeführt. 1582 – 86 und 1590 – 93 taucht er wieder als Gaßemeyer auf. Erst ab 1595 wird nur noch der Name Gatzenmeyer verwendet.

Es kann mit Sicherheit davon ausgegangen werden, daß der Ursprung des Namens Gatze(n)meyer/ ... meier auf dem Eichsfelde in Nesselröden zu finden ist. Vor 1567 tritt der Name sonst in keinem Dorfe der Goldenen Mark auf. Im Register der Dörfer und im Türkensteuer-Register steht ebenfalls in Nesselröden Vith Gatzemeier verzeichnet. Untersuchungen in den Telefonverzeichnissen von 1997 ergeben im Eichsfeld eine signifikante Häufung dieses Namens. In anderen Regionen Deutschlands ist dieser Name nur einzeln zu finden.

1598 tauchen in Nesselröden zu Vith Gatzenmeyer noch Hans Gatzenmeyer und 1599 Balthasar Gatzenmeyer auf. 1603 kommt noch ein Vith jun. hinzu. 1604 wird in Westerode, einem Nachbardorf von Nesselröden Valentin Gatzenmeyer in den Marktmeisterlisten der Stadt Duderstadt geführt. Es ist anzunehmen, daß sie alle Kinder von Vith sind, wobei noch nicht sicher ist, ob von 1567 bis zu diesem Zeitpunkt nicht schon die dritte Generation Gatzenmeyer dort verzeichnet ist. Der Name Vith und Vith jun. wurde bis 1608 in den Marktmeisterlisten gefunden. Spätere Eintragungen müssen noch untersucht werden.

Durch den 30 jährigen Krieg, der seinen Höhepunkt im Raum Duderstadt um 1630 hatte und die Pest, die in dieser Region um 1626 wütete, ist die Bevölkerung sehr stark dezimiert, fast ausgerottet worden. Es wird noch untersucht, wie und in welchen Orten sich der Name Gatzemeyer in dieser Zeit entwickelt hat.

Genaue Stammbäume können erst ab 1660-1680 in den Dörfern des Eichfeldes abgeleitet werden, weil in dieser Zeit mit der Führung von Kirchenbüchern begonnen wurde. Für Duderstadt sind die Bücher seit 1613 erhalten. Die Eintragungen sind anfangs in freier Beschreibung (Prosa) abgefaßt. Teilweise sind sie ungenau und unvollständig. Eine Standardisierung der Einträge in Listenform hat sich erst nach 1800 entwickelt.

In den Eintragungen der katholischen Kirchenbücher des Eichsfeldes entwickelt sich der Name Gatzenmeyer weiter über Gatzen Meyer zu Gatzemeyer. Erst im 19. Jahrhundert verändert sich der Name, wahrscheinlich durch den Eifluß der französischen Sprache zu Gatze(n)meier.